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Tourenplanung: Routen, Zeitfenster und Einsätze sauber planen

Service-Techniker, Handwerkskolonnen, Reinigungsteams und Lieferfahrer arbeiten dort, wo die Kunden sind. Welche Aufträge sie an einem Tag übernehmen und in welcher Reihenfolge sie fahren, entscheidet über Termintreue, Fahrzeit und die Frage, ob der Tag im Rahmen des Arbeitszeitgesetzes bleibt. Dieser Beitrag ordnet die Begriffe, zeigt die Planungsfaktoren einer Tour und die rechtlichen Leitplanken.

Von Dr. Katharina Müller9. Oktober 2026
Quellen am Seitenende
Kurz beantwortet

Tourenplanung legt fest, welche Einsätze ein Techniker, eine Kolonne oder ein Fahrzeug an einem Tag übernimmt und in welcher Reihenfolge die Einsatzorte angefahren werden. Sie verbindet vier Größen: die Zeitfenster der Kunden, die nötige Qualifikation, die Fahrzeit zwischen den Orten und die Dauer jedes Einsatzes einschließlich Rüst- und Pufferzeit. Arbeitsrechtlich ist die Tour kein Freiraum: Fahrten zwischen Kunden sind Arbeitszeit, und bei Beschäftigten ohne festen Arbeitsort zählt nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 10. September 2015 (C-266/14, Tyco) auch die Fahrt von zu Hause zum ersten und vom letzten Kunden nach Hause dazu. Jede Tour muss deshalb innerhalb der Grenzen des Arbeitszeitgesetzes bleiben – höchstens zehn Stunden am Tag, Pausen nach § 4, elf Stunden Ruhezeit nach § 5 ArbZG. Lenk- und Ruhezeiten nach der EU-Verordnung 561/2006 kommen nur bei Güterbeförderung mit Fahrzeugen über 2,8 Tonnen (national) beziehungsweise seit 1. Juli 2026 über 2,5 Tonnen im grenzüberschreitenden Verkehr hinzu.

Tourenplanung, Einsatzplanung, Disposition: drei Begriffe, drei Fragen

Im Alltag werden die drei Begriffe oft synonym verwendet. Für die Organisation lohnt die Trennung, weil jeder eine andere Frage beantwortet und in vielen Betrieben von einer anderen Person verantwortet wird.

Abgrenzung der Planungsbegriffe
BegriffLeitfragePlanungsobjektTypischer Horizont
EinsatzplanungWer steht wann mit welcher Qualifikation zur Verfügung und übernimmt welche Aufgabe?Personen, Arbeitszeit, QualifikationWochen bis Tage
TourenplanungWelche Einsätze bilden eine Tour, und in welcher Reihenfolge werden sie angefahren?Aufträge, Orte, Fahrzeuge, ReihenfolgeVortag bis Tagesbeginn
DispositionWas ändert sich jetzt, und wer übernimmt den neuen oder ausgefallenen Einsatz?laufende Tour, Störungen, Notfällelaufender Tag

Die Reihenfolge ist wichtig: Eine Tour lässt sich nur aus Personen bilden, die die Einsatzplanung bereits als verfügbar und qualifiziert ausgewiesen hat. Wer Touren plant, ohne Urlaub, Krankmeldungen und Arbeitszeitkonten zu kennen, optimiert Routen für Menschen, die gar nicht da sind. Umgekehrt beantwortet ein Schichtplan nicht, ob drei Kundentermine in zwei Stadtteilen in ein Acht-Stunden-Fenster passen. Wie sich die Begriffe zur Dienstplanung verhalten, erklärt der Beitrag Einsatzplanung vs. Dienstplanung; die laufende Steuerung beschreibt der Lexikoneintrag Disposition.

Fachlich ist Tourenplanung eine Variante des sogenannten Vehicle Routing Problem: Mehrere Fahrzeuge oder Personen sollen eine Menge von Orten so anfahren, dass eine Zielgröße – Fahrzeit, Kilometer, Anzahl der Fahrzeuge – möglichst klein wird. Mit Zeitfenstern, Qualifikationen und Arbeitszeitgrenzen wird das Problem schnell so groß, dass schon bei wenigen Dutzend Einsätzen nicht mehr alle Kombinationen durchgerechnet werden können. Planungssoftware arbeitet deshalb mit Näherungsverfahren; das Ergebnis ist eine gute, nicht zwingend die beste Tour.

Wo Tourenplanung gebraucht wird

Gemeinsam ist allen Einsatzfeldern, dass die Arbeit beim Kunden stattfindet und der Weg dorthin Teil der Arbeitszeit ist. Die Gewichtung der Planungsfaktoren unterscheidet sich aber deutlich:

Kundendienst und Service-Techniker (Heizung, Aufzüge, Haustechnik, IT, Medizintechnik): Mischung aus planbaren Wartungen und kurzfristigen Störungen, oft mit vertraglich zugesagten Reaktionszeiten. Qualifikation und Ersatzteile im Fahrzeug entscheiden, ob der erste Besuch den Auftrag abschließt.

Handwerk: Einsätze dauern häufig mehrere Stunden oder Tage, die Tour besteht dann aus wenigen Stationen. Entscheidend sind Materiallogistik und die Frage, ob die Kolonne vom Betrieb oder von zu Hause startet. Die Auftrags- und Baustellenplanung im Handwerk behandelt ein eigener Beitrag.

Gebäudereinigung: feste Objekte mit wiederkehrenden Intervallen, oft in Randzeiten vor oder nach den Geschäftszeiten der Kunden. Hier dominieren statische Touren mit Schlüsselverwaltung und Objektzugang.

Lieferdienste und Kurierfahrten: viele kurze Stopps, Zeitfenster der Empfänger, Ladekapazität des Fahrzeugs. Hier greifen am ehesten die Lenk- und Ruhezeitvorschriften und für Speditions-, Transport- und Logistikbetriebe die Aufzeichnungspflicht nach § 17 MiLoG.

Auch ambulante Pflegedienste planen Touren; dort kommen Leistungskomplexe, feste Einsatzzeiten der Pflegebedürftigen und Regeln der Pflegekassen hinzu, die eine eigene Betrachtung brauchen. Dieser Beitrag bleibt bei den gewerblichen Einsatzfeldern.

Die Planungsfaktoren einer Tour

Eine Tour ist nur so gut wie die Zeitwerte, mit denen sie gerechnet wird. Die meisten Planungsfehler entstehen nicht in der Reihenfolge, sondern in zu knapp angesetzten Einsatzdauern und fehlenden Nebenzeiten.

Planungsfaktoren und ihre Wirkung auf die Tour
FaktorWas er beschreibtTypischer Planungsfehler
Zeitfenstervereinbarte Ankunftsspanne beim Kunden, z. B. 8–10 Uhrzu enge Fenster ohne Rücksicht auf die Vorstation
EinsatzdauerNetto-Arbeitszeit vor Ort je AuftragsartPauschalwert statt Erfahrungswert je Auftragsart
RüstzeitVorbereitung, Parken, Zugang, Material holen, Einweisung des Kunden, Dokumentationwird gar nicht geplant und frisst den Puffer
FahrzeitZeit zwischen den Stationen nach Tageszeit und VerkehrslageLuftlinie oder Nachtfahrzeit statt Fahrzeit zur Planungsuhrzeit
QualifikationBefähigung, Sachkunde, Führerscheinklasse, KundenfreigabeTour passt räumlich, aber die Person darf den Einsatz nicht ausführen
Fahrzeug und MaterialZuladung, Werkzeug, Ersatzteile, KühlungRückfahrt zum Lager mitten in der Tour
Start- und EndpunktBetrieb, Wohnung oder DepotAnfahrt von zu Hause nicht als Arbeitszeit gezählt
PufferzeitReserve für Überziehung, Störung, NotfallTour zu 100 Prozent verplant, jede Abweichung kippt den Tag

Für Einsatzdauern lohnt eine einfache Regel: Je Auftragsart einen Planwert festlegen und ihn regelmäßig gegen die erfassten Ist-Zeiten prüfen. Ein Planwert, der dauerhaft unter dem Ist liegt, erzeugt jeden Tag dieselbe Verspätung an der letzten Station. Qualifikationen sollten mit Ablaufdatum geführt werden, damit eine abgelaufene Sachkunde bei der Zuordnung auffällt und nicht erst beim Kunden; wie das aufgebaut wird, zeigt der Beitrag Qualifikationsmatrix erstellen.

Pufferzeit lässt sich auf zwei Arten einplanen: als Aufschlag auf jede Einsatzdauer oder als freier Block in der Tour, etwa am späten Vormittag, der für Störungen und Notdienste reserviert bleibt. Der freie Block ist transparenter, weil die Disposition sieht, wie viel Reserve noch übrig ist. Wie groß ein Puffer sein sollte, hängt vom Anteil ungeplanter Einsätze im eigenen Betrieb ab; der Beitrag zu Über- und Unterdeckung beschreibt, wie man ihn aus eigenen Daten ableitet.

Statische und dynamische Touren

Zwei Grundformen prägen die Tourenplanung, und die meisten Betriebe nutzen eine Mischung.

Statische und dynamische Tourenplanung im Vergleich
MerkmalStatische TourDynamische Tour
Grundideefeste Kunden in festem Rhythmus und fester ReihenfolgeTour wird für jeden Tag aus den offenen Aufträgen neu gebildet
Typische EinsätzeUnterhaltsreinigung, Wartungsintervalle, Stammkunden-BelieferungStörungen, Reparaturen, Paket- und Kurierdienste, Einzelaufträge
VorteileKundenbindung durch feste Ansprechperson, geringer Planungsaufwand, gute Ortskenntniskurze Wege trotz wechselnder Aufträge, flexible Reaktion auf neue Aufträge
Schwächenveraltet schleichend, wenn Kunden hinzukommen oder wegfallenhoher täglicher Planungsaufwand, wechselnde Ansprechpersonen
Pflegeregelmäßige Neuordnung, etwa quartalsweisetägliche Planung am Vortag, laufende Anpassung durch die Disposition

Eine bewährte Mischform ist die Gebietsplanung: Jeder Techniker oder jedes Team erhält ein festes Gebiet mit Stammkunden, dynamische Aufträge werden zuerst innerhalb des Gebiets verteilt und nur bei Engpässen an Nachbargebiete abgegeben. So bleibt die Ortskenntnis erhalten, und der tägliche Planungsaufwand sinkt.

Eine Tour in sechs Schritten planen

1. Verfügbarkeit klären. Ausgangspunkt ist der Personal- oder Schichtplan des Tages: Wer arbeitet, von wann bis wann, mit welchem Startpunkt? Abwesenheiten, Teilzeit und Überstundenstände gehören hierher, nicht erst in die Disposition.

2. Aufträge vorbereiten. Jeder Auftrag braucht Adresse, Zeitfenster, Auftragsart mit Planwert für die Dauer, benötigte Qualifikation und Material. Fehlt eine dieser Angaben, wird der Auftrag später falsch eingeplant.

3. Feste Termine setzen. Zuerst werden Aufträge mit engem Zeitfenster und Aufträge, die nur eine einzige Person ausführen darf, zugeordnet. Sie bilden das Gerüst der Tour.

4. Touren füllen. Die übrigen Aufträge werden nach räumlicher Nähe ergänzt. Einfache Verfahren beginnen beim entferntesten Auftrag und füllen in Richtung Startpunkt auf, oder sie teilen das Gebiet sektorweise auf; Software nutzt dafür Heuristiken, die mit realen Fahrzeiten rechnen.

5. Gegen Arbeitszeitgrenzen prüfen. Für jede Tour wird die Summe aus Anfahrt, Einsatzzeiten, Rüstzeiten, Fahrten zwischen den Kunden, Rückfahrt und Pausen gebildet. Liegt sie über der vertraglichen oder gesetzlichen Grenze, wird ein Auftrag verschoben – nicht die Pause gestrichen.

6. Veröffentlichen und zurückmelden. Die Tour geht spätestens am Vortag an die Beschäftigten, mit allen Auftragsdetails auf dem Mobilgerät. Während des Tages melden die Techniker Beginn, Ende und Abweichungen zurück; diese Ist-Daten verbessern die Planwerte für die nächste Woche. Was bei kurzfristigen Ausfällen passiert, sollte als fester Ablauf im Ausfallmanagement stehen.

Arbeitsrechtliche Leitplanken

Die Tour ist Arbeitszeit, und zwar vollständiger, als viele Betriebe annehmen. Drei Rechtsquellen bestimmen den Rahmen, eine vierte kommt nur in bestimmten Fällen hinzu.

Fahrtzeit ist Arbeitszeit. Fahrten zwischen zwei Kunden sind unstreitig Arbeitszeit. Für Beschäftigte ohne festen oder gewöhnlichen Arbeitsort hat der Europäische Gerichtshof am 10. September 2015 (C-266/14, Tyco) entschieden, dass auch die tägliche Fahrt zwischen Wohnung und erstem sowie letztem Kunden Arbeitszeit im Sinne der Arbeitszeitrichtlinie 2003/88/EG ist. Das Bundesarbeitsgericht hat am 18. März 2020 (5 AZR 36/19) für einen Außendienstmitarbeiter entschieden, dass diese An- und Abfahrten zu den vergütungspflichtigen Hauptleistungen gehören; eine Betriebsvereinbarung, die jeweils die ersten 20 Minuten herausrechnete, war wegen des Tarifvorrangs unwirksam. Arbeitszeitschutz und Vergütung sind dabei getrennte Fragen: Tarif- oder Arbeitsvertrag können die Bezahlung von Fahrzeiten unter Umständen abweichend regeln, an der Zählung als Arbeitszeit für die Höchstgrenzen ändert das nichts.

Höchstarbeitszeit, Pausen, Ruhezeit. Nach § 3 ArbZG darf die werktägliche Arbeitszeit acht Stunden nicht überschreiten; bis zu zehn Stunden sind zulässig, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden erreicht werden. Bei mehr als sechs Stunden sind mindestens 30 Minuten Pause, bei mehr als neun Stunden 45 Minuten vorgeschrieben (§ 4 ArbZG). Zwischen zwei Arbeitstagen liegen mindestens elf Stunden ununterbrochene Ruhezeit (§ 5 ArbZG). Für die Tourenplanung heißt das: Ein Notdiensteinsatz am späten Abend verschiebt den frühestmöglichen Tourstart am nächsten Morgen. Den allgemeinen Rechtsrahmen fasst die Seite Rechtsrahmen der Einsatzplanung zusammen.

Arbeitszeit erfassen. Seit dem Beschluss des Bundesarbeitsgerichts vom 13. September 2022 (1 ABR 22/21) müssen Arbeitgeber die Arbeitszeit ihrer Beschäftigten erfassen. In den Branchen des § 2a SchwarzArbG, zu denen das Speditions-, Transport- und damit verbundene Logistikgewerbe und die Gebäudereinigung gehören, gilt zusätzlich die Aufzeichnungspflicht nach § 17 MiLoG: Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit spätestens bis zum siebten Kalendertag nach dem Arbeitstag.

Lenk- und Ruhezeiten – nur wo einschlägig. Die Verordnung (EG) Nr. 561/2006 gilt grundsätzlich für die Güterbeförderung mit Fahrzeugen über 3,5 Tonnen zulässiger Gesamtmasse. Deutschland erstreckt die Lenk- und Ruhezeiten über § 1 der Fahrpersonalverordnung auf Fahrzeuge zur Güterbeförderung zwischen 2,8 und 3,5 Tonnen, mit Ausnahmen etwa für Material und Werkzeug, das der Fahrer für seine Arbeit braucht, wenn das Fahren nicht seine Haupttätigkeit ist. Seit 1. Juli 2026 gelten Lenk- und Ruhezeiten samt Fahrtenschreiberpflicht auch für Fahrzeuge über 2,5 Tonnen im grenzüberschreitenden Güterverkehr und in der Kabotage. Für Handwerksbetriebe gibt es die sogenannte Handwerkerausnahme (Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen, Transport von eigenem Material oder Werkzeug, Fahren nicht Haupttätigkeit, Umkreis von 100 Kilometern um den Betrieb). Ein Service-Techniker im Pkw oder Kleintransporter unter 2,8 Tonnen fällt in der Regel nicht darunter; für ihn bleibt es beim Arbeitszeitgesetz. Wer als Fahrer unter die Verordnung fällt, unterliegt zusätzlich § 21a ArbZG mit durchschnittlich 48, höchstens 60 Wochenstunden.

Welche Zeitregeln gelten für welche Tour?
KonstellationArbeitszeitgesetzLenk- und Ruhezeiten
Service-Techniker im Pkwja, inklusive aller Fahrtennein
Handwerker mit Transporter bis 2,8 tjanein
Handwerker mit Transporter 2,8–3,5 t, eigenes Material, Fahren Nebentätigkeitjain der Regel nein (Ausnahme nach § 1 Abs. 2 FPersV)
Kurier- oder Lieferfahrer, Fahrzeug über 2,8 t, nationalja, plus § 21a ArbZGja, über FPersV beziehungsweise VO 561/2006
Lieferfahrt über die Grenze, Fahrzeug über 2,5 t (seit 1. Juli 2026)ja, plus § 21a ArbZGja, mit Fahrtenschreiber

Ortung und Telematik. Systeme, die Standort oder Fahrverhalten von Beschäftigten erfassen, sind technische Einrichtungen im Sinne von § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG; ihre Einführung ist mitbestimmungspflichtig, wenn ein Betriebsrat besteht. Datenschutzrechtlich gilt der Grundsatz der Datenminimierung nach Art. 5 DSGVO: Für die Tourenplanung genügt in der Regel der Status je Einsatz, eine dauerhafte Live-Ortung ist begründungsbedürftig.

Kennzahlen: Formeln statt Benchmarks

Allgemeingültige Zielwerte für Tourenkennzahlen gibt es nicht; sie hängen von Gebietsgröße, Auftragsart und Siedlungsdichte ab. Sinnvoll ist der Vergleich mit den eigenen Vormonaten, nicht mit Branchenwerten unklarer Herkunft. Die folgenden Formeln lassen sich aus Plan- und Ist-Daten jeder Tour berechnen:

Kennzahlen der Tourenplanung
KennzahlFormelAussage
Einsätze pro Tagabgeschlossene Einsätze ÷ EinsatztageDurchsatz je Person oder Team
FahrzeitanteilFahrzeit ÷ gesamte Arbeitszeit × 100Anteil der Arbeitszeit ohne Arbeit beim Kunden
LeerfahrtanteilKilometer ohne Auftrag oder Ladung ÷ gefahrene Kilometer × 100Rückfahrten, Materialholfahrten, vergebliche Anfahrten
TermintreueEinsätze im zugesagten Zeitfenster ÷ alle Einsätze × 100Verlässlichkeit gegenüber dem Kunden
Erstlösungsquotebeim ersten Besuch abgeschlossene Aufträge ÷ alle Aufträge × 100Qualität von Qualifikation, Material und Auftragsvorbereitung
Planabweichung(Ist-Dauer − Plan-Dauer) ÷ Plan-Dauer × 100, je AuftragsartGüte der Planwerte

Zwei Kennzahlen gehören immer zusammen: Steigen die Einsätze pro Tag, während die Erstlösungsquote sinkt, wurde die Tour verdichtet, aber nicht verbessert – die Folgebesuche tauchen in den nächsten Tagen wieder auf. Die Grundlogik von Kapazität und Auslastung, auf der diese Werte aufsetzen, erklärt der Beitrag Kapazitäts- und Auslastungsplanung.

Excel oder Software?

Für einen Betrieb mit zwei oder drei Fahrzeugen und überwiegend statischen Touren reicht eine Tabelle mit Kundenliste, Wochentag und Reihenfolge, ergänzt um einen frei verfügbaren Routenplaner. Die Grenzen von Excel zeigen sich, sobald Touren täglich neu gebildet werden, mehrere Disponenten gleichzeitig planen, Qualifikationen geprüft oder Ist-Zeiten zurückgemeldet werden müssen. Eine Tabelle kennt weder Verkehrslage noch Arbeitszeitgrenzen, und Änderungen erreichen die Fahrer nur per Telefon.

Was Excel und Software in der Tourenplanung leisten
AufgabeExcel mit RoutenplanerTourenplanungs- oder Field-Service-Software
Feste Kundenliste je Wochentaggut machbargut machbar
Reihenfolge mit Zeitfenstern optimierenmanuell, je Tour einzelnautomatisch über alle Touren
Qualifikation je Auftrag prüfennur per SichtkontrolleRegel bei der Zuordnung
Arbeitszeitgrenzen je Toureigene Formeln, fehleranfälligje nach System Warnung oder Sperre
Änderungen an Fahrer übermittelnTelefon, Messengermobile App mit Auftragsdetails
Ist-Zeiten und Status zurückmeldennachträglich, auf Papierje Einsatz in Echtzeit

Bei der Softwareauswahl lohnt die Unterscheidung, die die Seite Außendienst ausführlich begründet: Routenoptimierung, Auftragsstatus, Material und Servicedokumentation sind Aufgaben eines Field-Service-Systems. Personalverfügbarkeit, Schichten, Abwesenheiten, Qualifikationen und Arbeitszeiterfassung sind Aufgaben der Personaleinsatzplanung. Viele Betriebe brauchen beides, mit einem klar festgelegten führenden System je Datum.

Aplano ist eine Lösung für die Personalseite und kein Routenoptimierer. Es bildet Schichten und Verfügbarkeiten per Drag & Drop ab, führt Abwesenheiten und Stundenkonten, gibt ArbZG-Hinweise zu Pausen- und Ruhezeiten und erreicht die Beschäftigten über die Mitarbeiter-App für iOS und Android. Im Pro-Tarif kommen Zeiterfassung per App mit Geofencing, Qualifikationen, offene Schichten und Auswertungen hinzu – damit liegen die Ist-Arbeitszeiten vor, die für Fahrzeiten und Aufzeichnungspflichten gebraucht werden. Die Preise betragen 0,50 Euro (Core), 2,00 Euro (Basic) und 4,50 Euro (Pro) je Mitarbeiter und Monat zuzüglich Mehrwertsteuer, monatlich kündbar; der Pro-Umfang ist 14 Tage ohne Kreditkarte testbar. Auf Capterra wird Aplano mit 4,8 von 5 bei 113 Bewertungen, auf OMR Reviews mit 4,7 von 5 bei 206 Bewertungen bewertet (Stand Juli 2026). Weitere Systeme ordnet der Vergleich ein.

Häufige Fragen

Was ist Tourenplanung?

Tourenplanung legt fest, welche Einsätze eine Person, ein Team oder ein Fahrzeug an einem Tag übernimmt und in welcher Reihenfolge die Einsatzorte angefahren werden. Berücksichtigt werden Zeitfenster der Kunden, Qualifikation, Fahrzeit, Einsatzdauer, Rüst- und Pufferzeiten sowie die Grenzen des Arbeitszeitgesetzes.

Was ist der Unterschied zwischen Tourenplanung und Einsatzplanung?

Die Einsatzplanung klärt, wer wann mit welcher Qualifikation verfügbar ist und welche Aufgabe übernimmt. Die Tourenplanung baut darauf auf und bestimmt, welche Aufträge zu einer Tour gebündelt und in welcher Reihenfolge sie angefahren werden. Die Disposition steuert anschließend Änderungen im laufenden Tag.

Ist die Fahrt zum ersten Kunden Arbeitszeit?

Bei Beschäftigten ohne festen oder gewöhnlichen Arbeitsort ja. Der Europäische Gerichtshof hat am 10. September 2015 (C-266/14, Tyco) entschieden, dass die Fahrt von der Wohnung zum ersten und vom letzten Kunden nach Hause Arbeitszeit ist. Das Bundesarbeitsgericht hat solche Fahrten eines Außendienstmitarbeiters am 18. März 2020 (5 AZR 36/19) als vergütungspflichtige Arbeitszeit eingeordnet.

Was unterscheidet statische von dynamischer Tourenplanung?

Statische Touren fahren feste Kunden in festem Rhythmus und fester Reihenfolge an, etwa in der Unterhaltsreinigung oder bei Wartungsintervallen. Dynamische Touren werden jeden Tag aus den offenen Aufträgen neu gebildet, etwa bei Störungen, Reparaturen und Lieferungen. Viele Betriebe kombinieren beides über feste Gebiete.

Gelten Lenk- und Ruhezeiten für Service-Techniker?

In der Regel nicht, solange sie Pkw oder Transporter bis 2,8 Tonnen fahren. Lenk- und Ruhezeiten gelten für die Güterbeförderung mit Fahrzeugen über 3,5 Tonnen nach VO (EG) 561/2006, in Deutschland über die Fahrpersonalverordnung bereits ab 2,8 Tonnen und seit 1. Juli 2026 im grenzüberschreitenden Verkehr ab 2,5 Tonnen. Für Handwerker mit eigenem Material gibt es Ausnahmen. Das Arbeitszeitgesetz gilt immer.

Welche Kennzahlen sind für die Tourenplanung sinnvoll?

Einsätze pro Tag, Fahrzeitanteil an der Arbeitszeit, Leerfahrtanteil an den gefahrenen Kilometern, Termintreue im zugesagten Zeitfenster, Erstlösungsquote und die Abweichung zwischen geplanter und tatsächlicher Einsatzdauer je Auftragsart. Aussagekräftig ist vor allem der Vergleich mit den eigenen Vormonaten.

Reicht Excel für die Tourenplanung?

Für wenige Fahrzeuge mit festen Touren ja. Sobald Touren täglich neu gebildet, Qualifikationen geprüft, Arbeitszeitgrenzen eingehalten und Änderungen sofort an die Beschäftigten übermittelt werden müssen, stößt eine Tabelle an ihre Grenzen. Dann lohnt eine Kombination aus Personaleinsatzplanung und Tourenplanungs- oder Field-Service-Software.

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Quellen und Stand

  1. EuGH, Urteil vom 10. September 2015 – C-266/14 (Tyco), Fahrzeiten von Beschäftigten ohne festen Arbeitsort.
  2. BAG, Urteil vom 18. März 2020 – 5 AZR 36/19, Vergütung von Fahrtzeiten eines Außendienstmitarbeiters (Pressemitteilung).
  3. § 3 ArbZG – Arbeitszeit der Arbeitnehmer, § 4 ArbZG – Ruhepausen, § 5 ArbZG – Ruhezeit und § 21a ArbZG – Beschäftigung im Straßentransport.
  4. BAG, Beschluss vom 13. September 2022 – 1 ABR 22/21 (Pflicht zur Arbeitszeiterfassung).
  5. § 17 MiLoG – Erstellen und Bereithalten von Dokumenten und § 2a SchwarzArbG – Mitführungs- und Vorlagepflicht.
  6. Verordnung (EG) Nr. 561/2006 über Lenk- und Ruhezeiten im Straßenverkehr.
  7. § 1 Fahrpersonalverordnung (Fahrzeuge über 2,8 bis 3,5 Tonnen, Ausnahmen).
  8. Zentralverband des Deutschen Handwerks – Lenk- und Ruhezeiten / Tachographenpflicht (2,5-Tonnen-Grenze seit 1. Juli 2026, Handwerkerausnahme).
  9. § 87 BetrVG – Mitbestimmungsrechte (technische Überwachungseinrichtungen).
  10. Aplano – Produktinformationen, Funktionen und Preise, abgerufen Oktober 2026.

Redaktionell geprüft am 9. Oktober 2026. Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen können die Vergütung von Fahrzeiten abweichend regeln; die Einordnung als Arbeitszeit für die Grenzen des Arbeitszeitgesetzes bleibt davon unberührt. Rechtsinformationen ersetzen keine Beratung im Einzelfall.

Über die Autorin: Dr. Katharina Müller ist Arbeitswissenschaftlerin und Expertin für Personalplanung, Arbeitszeitgestaltung und Workforce Management.

Veröffentlicht am 9. Oktober 2026 · Von Dr. Katharina Müller